Dienstag, 17. März 2015

Fällheber

Bei meinen letzten Motorsägenkurs wurde u.a. der Einsatz eines Fällhebers erwähnt. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich es auch ausprobieren wollte. Allerdings will ich mir nicht so ein Teil nur fürs probieren kaufen. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme meiner Eisenvorräte konnte es schon losgehen.














Diesen Beitrag findet ihr auch unter http://holzheizung.blogspot.com/


Meine Empfehlungen:
  


Doch zuvor eine kleine Erklärung wozu ein Fällheber gut ist.
Der durchschnittliche Baum wird so gefällt, indem ihm an der Seite in die er später fallen soll ein sog. Fällkeil mit der Motorsäge ausgeschnitten wird. Hinter dem Fällkeil bleiben einige cm des Stammes unberührt. Diese Bruchleiste bildet beim späteren Fallen des Baumes eine Art Scharnier, welches gemeinsam mit dem Fällkeil die Fallrichtung des Baumes vorgibt. Hinter der Bruchleiste beginnt der eigentliche Fällschnitt. Bei diesem werden ca. 2/3 des restlichen Stammes durchgeschnitten und in den entstandenen Schlitz ein Keil eingeschlagen bis dieser fest sitzt. Danach kann der Rest des Fällschnittes durchgeführt und ev. noch ein zweiter Keil eingeschlagen werden (je nach Durchmesser des Baumes). Nun ruht der Baum an der einen Seite auf der Bruchleiste und auf der anderen Seite auf dem(n) Keil(en). Wird der Keil nun weiter eingeschlagen sollte sich die Krone des Baumes in Fallrichtung bewegen, bis er schließlich komplett umfällt.
Arbeitet man mit einem Fällheber, wird der oben genannte Keil durch eben diesen ersetzt. Hier wird durch anheben der Stange der gleiche Effekt wie beim einschlagen des Keil erreicht, und der Baum fällt.
Soweit die Theorie. Die Praxis sieht meist ein wenig anders aus.
Videos dazu gibt's in Hülle und Fülle auf Youtube.

Materialwahl

Doch nun zum eigentlichen Bau.
Der Hebel wird durch ein 1m langes Formrohr gebildet, welches die Abmessung 40x40x3mm hat.













Wie auf dem rechten Bild zu sehen, lag das Rohr schon einige Zeit bei mir unbenutzt in der Werkstatt.
Mit der Bandsäge wurde die Stange auf 30° abgeschnitten. Besser wäre ein noch spitzerer Winkel (so um die 25°) gewesen, allerdings gibt meine Bandsäge nicht mehr her.
Ein ehemaliger Handlauf bildet die Fußplatte. Da war das Problem, dass dieser nur 4cm breit war. Laut einigen Internetforen ist hier eine Dicke von mindestens 6mm und maximal 8mm erforderlich. Einerseits sollte sich die Fußplatte beim Aushebeln des Baumes nich verbiegen, andererseits muss sie auch in den Sägeschlitz passen. Der Handlauf hat 8mm und steht daher für Stabilität.
Als Anschlag dient eine 1x1cm Stange, welche ebenfalls aus dem Geländer des Handlaufes stammt.










Die erste Version des Fällhebers hatte nur eine dieser 4cm breiten Flacheisen als Fußplatte, was mir optisch nicht gefallen hat, aber auch prinzipiell zu wenig sein dürfte. Schlussendlich habe ich 2x das Flacheisen verbaut.
Vor dem Zusammenschweißen ist es ratsam eine Fase an den zu verschweißenden Stellen zu schleifen. Somit kann die Schweißnaht tiefer ins Material eindringen und hält besser.











Verschweißen

Los geht's mit dem selbstgebauten Schweißgerät:


















Als Griff habe ich ein 30x30x2mm Formrohr etwas schräg angeschweißt.














Wendehacken

Für die Befestigung des Wendehackens habe ich einen Rest des Formrohres meiner Werkbank verwendet. Mit der Dimension von 50x50x4mm passt es genau über das Hauptrohr des Fällhebers.
Ich habe die Schelle so zugeschnitten, dass diese über den Griff wieder vom Fällheber entfernt werden kann.




Zusätzliches Feature

Als ich den Heber so betrachtet habe ist mir ein zusätzliches Feature eingefallen. Ich wollte schon immer ein Abbruchwerkzeug, ein so richtig schweres, unempfindliches, männliches, den Naturgewalten trotzendes Gerät besitzen ...  Darum wurde aus der abgeflachten Spitze ein Nageleisen, bzw. eine "Goaßhaxen" wie wir so etwas in Österreich nennen. In Deutschland wird es auch als "Kuhfuss" bezeichnet.
Zur Erklärung für meine deutschen Leser: Als Goaß wird eine weiblichen Ziege bezeichnet und kommt daher von dem Wort Geiß. Eine Haxen ist bei uns das umgangssprachliche Wort für Bein/Fuß. Genau "übersetzt" heißt es somit Ziegenfuß. Da Ziegen genauso wie Kühe Paarhufer sind, hat deren Gebein eine unübersehbare Ähnlichkeit mit einem Nageleisen. Daher also der Name.
Doch ich schweife ab...



Um also den Fällheber als Goaßhaxen missbrauchen zu können habe ich in die abgeflachte Fußplatte einen Schlitz mit der Trennscheibe geschnitten.
Durch diesen Schlitz, der den Fällheber in seiner ursprünglichen Funktion keineswegs einschränkt, ist das Werkzeug nun vielseitiger einsetzbar, wie zB. Abbrucharbeiten, Paletten zerlegen, alten Holzboden abtragen, Dachstuhl abtragen, und, und, und... Ich hätt's mir schon viel früher bauen sollen!

Sowie alles fertig geschweißt und geschliffen war, wurde lackiert. Ich habe die Farbe "silbergrau" aus der Spraydose gewählt, da ich mir das Pinsel auswaschen ersparen wollte. Allerdings ist die Farbe teilweise abgelaufen und hat unschöne Schlieren hinterlassen. Den Wendehacken habe ich als Kontrast schwarz lackiert. Insgesamt wurden zwei Lackschichten aufgetragen. In meinem Fall sogar  4 Schichten, wobei ich die ersten zwei wieder abgewaschen habe...egal, lange Geschichte...  ;-)
Vor dem Lackieren müssen jedoch Fett und Ölrückstände von den Metallen entfernt werden. Dies kann entweder mit normalen Benzin oder Nitroverdünnung geschehen.

"Zusammenbau"

Für den Wendehaken habe ich noch ein Stück gebogenes Flacheisen angeschraubt, welches als Parkposition für diesen dient. Wird dieses Flacheisen abgeschraubt, kann der Wendehacken auch komplett entfernt werden. Die Parkposition ist auch der Grund weshalb der Wendehacken an der Seite der Schelle und nicht mittig montiert ist. Ich hoffe, dass sich dieser Umstand nicht negativ auf dessen Funktion auswirkt. Mit dem 40x40mm Formrohr sollte das aber kein Problem sein (wegknicken,...).
Der Wendehacken hacken selbst ist ein Abfallprodukt meines Kollegen. Dieser baut sich z.Z. einen Rückekran und hat sich aus Spezialstahl (ST52) die Gelenke des Krans mit einem Plasmaschneider ausschneiden lassen. Das Teil stammt aus dem Verschnitt und hat eine Dicke von 10mm. Ich denke, das sollte halten.

Technische Daten:
Gewicht:                    5kg
Länge Insgesamt:   142cm
Länge Stiel:            133cm
Fußplatte:              8x10cm

Nachdem ich diese Saison schon mein Brennholz geschnitten habe, bin ich jetzt auf der Suche nach einem Baum an dem ich den Fällheber ausprobieren kann :-)











Kommentare:

  1. Top top top... War schön zu lesen

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  2. Coole Anleitung, toll erklärt!

    P.S. wir sagen auch "Goißafuaß"

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    1. Da hat anscheinend jede Region ihre eigene Bezeichnung :-)

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  3. Gute Idee. Ich empfehle trotzdem einen Fällheber zu kaufen. Unsere Top 3 finden Sie hier: http://www.faellheber24.de/faellheber-vergleich/

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  4. Gute Arbeit, aber wie so oft bei eigenbau eine nummer zu massiv. Mein Grund des Schreibens ist aber ein anderer. Zum Material - St52(neue Bezeichnung S355) ist weder gehärtet noch Spezialstahl. Er ist lediglich die nächsthöhere Güte nach dem ST37(neu S235)und er ist nicht härtbar. Man sollte schon gar nicht zu viel von der Güte erwarten, oft werden Stähle höherer Güte, die eine Eigenschaft nicht erfüllen, ins nächstniedrigere eingestuft. In diesem erfüllt sie lediglich die Zugfestigkeit. Wer täglich damit zu tun hat merkt, das es da von butterweich bis knochigspröde geht. Zur Verarbeitung: man kann es es ganz normal Schweißen, sollte es aber ab 60mm Stärke vorwärmen und nicht abschrecken.

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