Freitag, 5. Februar 2016

Erfahrungsbericht Grünbeck Weichwassermeister GSX 5

In unserer Gemeinde haben wir stark kalkhaltiges Wasser von etwa 25°dH. Somit erschien uns der Einbau einer Entkalkungsanlage als sinnvoll. Dass wir damit noch unsere liebe Not haben würden wussten wir im Vorhinein natürlich nicht.
Entschieden haben wir uns damals für eine Enthärtungsanlage von Grünbeck.

Grünbeck ist bestimmt einer der größten Hersteller für Entkalkungsanlagen. Vor vier Jahren konnte die Grünbeck als Einziger eine Pendelanalge vorweisen und somit fiel die Entscheidung auf die etwa 2000€ teure GSX5. Diese Anlage funktioniert nach dem Prinzip des Ionenaustausches und liefert ein reales und vor allem ein messbares Ergebnis.
Finger weg von den heilenden Magneten oder anderen elektronischen Firlefanz. Das funktioniert nicht, nicht einmal wenn man ganz fest daran glaubt. Es sei denn, man will unbedingt 300-900€ für einen Magneten ausgeben, welchen man sich bei jeden Schrottplatz gratis aus einem Lautsprecher ausbauen kann.

Pendelanlage

Im Gegensatz zu herkömmlichen Enthärtungsanlagen bietet diese zwei Enkalkungskammern von denen immer nur eine in Betrieb ist, während die andere regeneriert. Somit erhält man ununterbrochen weiches Wasser. Bei Anlagen mit nur einer Kammer erhält man während der Regeneration kalkhaltiges Wasser.

Installationen

Wer so wie wir ein altes Haus renoviert und Wasserleitungen aus Stahl vorfindet, muss diese ab der Entkalkungsanlage durch moderne Wasserrohre aus Kunststoff oder Alu-Verbundrohre ersetzten. Das Salz der Anlage würde sonst die Rohre sprichwörtlich "auflösen".
Vor der Enthärtungsanlage sollte ein Wasserfilter verbaut werden, damit keine Fremdstoffe in die Anlage gelangen. Wir haben hier ebenfalls auf einen Grünbeck Filter mit Rückspulfunktion verbaut.
Der grüne Drehknopf unten betätigt die Rückspulfunktion.
Um den Weichwassermeister in die Installationen zu integrieren muss ein spezielles Ventil verbaut werden.
Links befindet sich der Zulauf, rechts der Ablauf. Mit den beiden Absperrhähnen kann die Anlage vom Wassernetz getrennt werden. Das mittlere Einstellrad bestimmt den Mischgrad zwischen verkalkten und entkalkten Wasser und stellt somit die resultierende Wasserhärte ein (bei mir 5-6°dH). Die beiden Flexschläuche unten führen zur Enthärtungsanlage.

Bedienung

An der Oberseite befindet sich ein Display mit 3 Tasten und drei LED's die den Status der Anlage optisch visualisieren.
Am Display wird die aktuelle Durchflussmenge, die aktive Entkalkungskammer, etc. etc. angezeigt. Wirklich wichtig sind aber nur die drei LED.
Grün: die Anlage läuft korrekt
Gelb: Salz muss nachgefüllt werden
Rot: Störung
Das Salz wird einfach in den Solebehälter nachgefüllt.
Der Salzverbrauch liegt in unserem Haushalt (2 Erwachsene, ein Kleinkind) etwa bei 5-6kg/Monat. Mit einem 25kg Sack kommt man demnach 5-6 Monate aus. Mehr als einen Sack sollte man auch nicht einfüllen, obwohl genug Platz wäre, da sich sonst die Salzwürfel verklumpen und nicht mehr von selbst nach unten rutschen... ist mir passiert. Regeneriersalz gibt es in jedem Baumarkt. Im Internet ist es aber weitaus billiger und kostet nur ein Drittel vom Baumarkt.

Wenn die Rote LED leuchtet muss meist der Kundendienst gerufen werden. Bei mir war das einmal der Fall, was ich aber durch Ausstecken und Einstecken des Netzsteckers wieder "gelöst" habe. Unter uns Elektriker spricht man auch vom AEG: Ausstecken - Einstecken - Geht! :-)

Vom Kundendienst sollte das Gerät einmal jährlich gewartet werden. Immerhin trinkt man das Wasser und unsere Installateure wollen ja auch was verdienen...Jaja, kein Kommentar.

So weit - so gut.

WENN alles funktioniert muss man sich um den Weichwassermeister nicht arg kümmern. Ja, WENN das Wörtchen WENN nicht wär...
Zu den Weihnachtsfeiertagen versagte plötzlich die Elektronik ihren Dienst. Anzeige dunkel. Keine Reaktion auf nichts...AEG hat auch nicht funktioniert. Gottseidank hatten wir an diesen Tag Verwandtschaftsbesuch und ich musste im Halbstundentakt in den Keller um Getränke zu holen. Jaaa, die trinken ordentlich. Ich bemerkte dass sich meine ehemalige Werkstatt bereits mit Wasser füllte.
Die Anlage hat ja eigentlich einen Überlauf, der direkt in den Abwasserkanal abfließt. Eigentlich ist auch das Wasser nur bis zum Überlauf gestiegen, eigentlich. Nur ist es halt nicht in den Überlauf geflossen, sondern durch dessen undichten Einbau ins Geräteinnere und von dort in die Freiheit, also unseren Keller. Jetzt weiß ich endlich warum in der Bedienungsanleitung die Entkalkungsanlage immer neben einen Abfluss steht... Bei einem Neubau sollte dieser somit unbedingt eingeplant werden. Gottseidank habe ich den Defekt noch rechtzeitig bemerkt. Was wäre passiert wenn ich ein paar Tage nicht in den Keller gehe oder auf Urlaub bin?
Ein Elektronikschaden kann ja mal vorkommen, aber selbst wenn sollte sich die Anlage nicht selbstständig mit Wasser füllen. Wenn dann noch der Überlauf nicht funktioniert zweifle ich echt an der Qualität der Anlage.
Der gerufen Kundendienst versuchte mir dann schonend beizubringen, dass ich in die noch nicht mal 4 Jahre alte Grünbeck erneut 400€ für eine neue Platine investieren darf, was ich entschieden ablehnte. Ebenfalls ein Schreiben meinerseits an Grünbeck blieb unbeantwortet. Kundensupport sieht anders aus...

Also: Selbst ist der Mann. Platine ausgebaut und durchgemessen. Siehe da, 2 Minuten drauf hatte ich den Fehler und das ganz ohne Schaltplan. Für die Reparatur habe ich dann nochmal 10 Minuten benötigt. Daher verstehe ich nicht, warum mir keine Reparatur angeboten wurde. Selbst wenn der Reparateur eine Stunde benötigt hätte, wäre die Reparatur um 75% billiger gewesen als eine neue Platine. Übrigens: Das defekte Bauteil hatte einen Wert von 6 Cent!



Wo hier die 400€ verborgen sind konnte ich, quasi als Mann vom Fach, nicht feststellen. Ich schätze den Wert der Platine auf ca. 30€ Herstellkosten.
Qualitativ kann man jetzt, was die Elektronik betrifft, Grünbeck keinen Vorwurf machen. Bei den lebensdauerbegrenzenden Bauteilen (zB. den Elektrolytkondensatoren) wurde jedenfalls nicht gespart. Aber es werden noch Tantal Kondensatoren verbaut, was ich nicht mehr zeitgemäß finde. Ebenfalls finde ich das EMV-Filter (EMV = Elektromagnetische Verträglichkeit; das Filter sorgt dafür dass nicht zu viel "Elektrosmog" an die Umwelt gelangt) nicht besonders gut aufgebaut. Das erklärt auch warum am Netzkabel im Gerät ein Ferrit hängt. Da ich ein hilfsbereiter Mensch bin würde ich Grünbeck diesbezüglich meine fachliche Hilfe anbieten. Allerdings richtet sich in diesem Fall mein Stundensatz an deren Ersatzteilpreisen ;-)

Defekt war bei mir die Sekundärdiode der 12V Versorgung. Warum diese letztlich den Geist aufgab kann ich nicht sagen. Thermisch optimal sitzt sie jedenfalls nicht. Um diese These zu untermauern hätte ich eine Thermomessung am laufenden Gerät machen müssen und das wollte ich mir sparen.
Der rote Pfeil markiert meinen defekten Bauteil (VS-10MQ100NPbF - 100V/2,1A Schottky Diode). Zur Sicherheit habe ich eine stärkere Diode verbaut. Die Platine läuft also wieder - Problem 1 gelöst.

Überlauf abdichten

Trotz der reparierten Platine habe ich das Vertrauen in die Anlage verloren. Da ich nicht ohne weiteres verhindern kann, dass sich die Anlage bei ausgefallener Elektronik füllt, sollte zumindest der Überlauf dicht sein und funktionieren. Eine etwas höhere Wasserrechnung kann ich eher verkraften als den kompletten Keller unter Wasser.
Zum Abdichten muss die Enthärtungsanlage aufgeschraubt werden. Dazu einfach die zwei Torx Schrauben an der Oberseite lösen. Dadurch kann der Solebehälter vorgeklappt werden.
Jetzt hat man Zugang zum Überlauf an der Rückseite des Solebehälters (roter Kreis).












Der Überlauf scheint nur eingeclipst zu sein. Wurde eventuell auf die Dichtung vergessen? Da das Wasser keinen Druck auf den Überlauf ausübt, sondern in diesen nur abfließt, kann dieser einfach mit etwas Silikon abgedichtet werden.














Schlauch wieder anstecken und fertig ist die Anlage.
Problem 2 behoben.

Bei der Anlage sollte nun, laut Bedienungsanleitung, die Inbetriebnahme durchgeführt werden. 1 bis 2 Stunden sollte man sich dafür Zeit nehmen.

Fazit

Die Grünbeck GSX 5 ist eine Entkalkungsanlage um die man sich, im Normalfall, nicht stark kümmern muss. Ebenfalls ist der Salzverbrauch sehr gering. Auch wurde bei der Elektronik nicht gespart. So konnte ich keine Billigst-Bauteile, die Qualität mindernd wären, finden.
Ich kann auch verstehen, dass die Elektronik mal kaputt geht, aber dass sich die Entkalkungsanlage bei einem Ausfall der Elektronik bis zum Überlaufen füllt, dürfte nicht passieren. Und wenn dann noch der eingebaute Überlauf undicht ist übersteigt das eindeutig meine Toleranzgrenze. Weiters finde ich die Ersatzteile unverschämt teuer und Grünbeck findet es nicht einmal der Mühe wert auch nur irgendwie auf ein Mail eines Kunden zu reagieren. Aus diesen Gründen kann ich die Entkalkungsanlage leider nicht weiter empfehlen.

Falls jemand ebenfalls eine Grünbeck Enthärtungsanlage mit defekter Steuerplatine zu Hause hat, aber in Sachen Elektronik nicht so bewandert ist und dem die Ersatzteile zu teuer sind, biete ich an die Platine zu reparieren. Aber bevor ihr die Platinen an mich verschickt bitte ich um eine kurze Fehlerbeschreibung per Mail: stefan.reschenauer@gmail.com .



Aufgrund meiner Vorkommnisse mit einer teuren Enthärtungsanlage empfehle ich eine Anlage von Water2Buy deren Anschaffungspreis etwas über der nackten Steuerplatine von Grünbeck liegt. Diese Anlage muss schon ein paar Mal ihren Dienst versagen, bis man den Anschaffungspreis im Premiumsegment erreicht hat. Und was mir auch wichtig ist: der Kundensupport funktioniert, siehe Amazon.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Reschenauer
    Ich habe eine Grünbeck Wasserenthärtung mit einer defekten Steuerplatine.
    Nun habe ich in ihrem Blogspot holz-und-metall über Ihre Grünbeck Enthärtung mit defekter Platine gelesen.
    Ich bin ausgebildeter Gas-/Wasserinstallateur und habe bei Grünbeck einen Kurs über Enthärtungsanlagen besucht.
    Bei meiner Anlage kommt immer die Fehlermeldung ER1 das heisst:
    Motor defekt oder Mikroschalter defekt Regenerationsscheiben haben zu grosses Drehmoment Kabel oder Steuerung defekt.
    Folge dessen habe ich die Regenerationsscheiben nach gefettet kein erfolg Kabel Schalter durchgemessen alles ok.
    Mein Vater besitzt die gleiche Anlage also seine Steuerung gegen meine ausgetauscht siehe da wieder ER1.Folge dessen kam ich zum Resultat Steuerung defekt.Meine Anlage ist bereits neun Jahre alt neue Steuerung kostet 400 Euro. Das Geld werde ich in diese Anlage nicht mehr investieren.Nun meine Frage da ich mich mit Platinen null auskenne könnten Sie mir bitte weiterhelfen?Meine Tel:015110701193 Email Adresse:AnneWieser@web.de

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  2. Hallo, ich besitze eine Grünbeck GSX9 bei der die Steuerplatine defekt ist, beim einschalten der Anlage flackert das Display und im gleichen tackt schaltet das Störmelderelais und es lässt sich nicht mehr über die Bedienknöpfe bedienen. Kann man da noch was retten?

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  3. Hallo Herr Reschenauer,

    erst einmal herzlichen Dank für die umfangreiche Ausführung in Ihrem Artikel.
    Mein Vater wie auch ich besitzen eine GSX 5 (Alter ca. 5 Jahre).
    Bei meinem Vater musste die Platine schon getauscht werden.
    Die alte Platine habe ich noch. Sie zeigt allerdings keinerlei Funktion mehr. Evtl. könnte dies ebenfalls an dieser Diode liegen.

    Bei meiner Anlage war heute der Grünbeck-Kundendienst und hat eine Wartung durchführt. Der Injektor wurde ebenfalls getauscht.
    Da die Anlage aber vor Beginn der Wartung angezeigt hat, das die letzte Regenerieung ca. 124 Stunden her ist, vermutete der Monteur, das meine Steuerung evtl. ebenfalls ein Problem hat.

    Nun meine Frage:
    - Bekommt man die Platine meines Vaters wieder zum Laufen. Leider kann ich die Diode im Internet nicht einzeln zum Kauf finden.
    - Gibt es die Möglichkeit, eine neue Software auf meine vermeintlich nicht sauber laufende Platine zu spielen, oder kann hier auch ein Bauteildefekt vorliegen?

    Schöne Grüße aus Nürnberg
    Markus Mayr

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    1. Hallo Markus,
      Melde dich bitte per Mail bei mir. Email-Adresse findest du oben im Fazit oder im Impressum.
      LG
      Stefan

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